Sammlerstory
Sammlerstory - Hier kann das zweiseitige Kapitel "Königsblaue Sammelleidenschaft" aus dem Ende 2010 erschienenen Buch "Glaube, Liebe, Schalke" des Fußballhistorikers Hardy Grüne gelesen werden. Der Text beruht auf nachfolgendem Sammlerporträt, das der Journalist Peter Beutgen vor einiger Zeit verfasst hat und interessierten Medien auch weiterhin zur Veröffentlichung frei steht.
Peter, Opa Ernst und königsblaue Träume
Die Sammelleidenschaft eines Schalker Jungs und ihre kuriosen Folgen
Zwei Günter Netzer gegen einen Gerd Müller? Abgemacht. Fußballbilder Sammeln, Tauschen, Kleben - fast jeder Junge hat das gern gemacht. Was für die einen Erinnerung, ist für Dr. Peter Krevert Gegenwart und Zukunft. Der Mitvierziger sammelt seit 35 Jahren. Und seine Fußballbilder sind etwas Besonderes: von Hand signierte Einzelstücke. Sie sind gefragt, sie werden bestaunt und niemals würde er eins verkaufen. Aber ausstellen will er sie schon. Dafür hat er jetzt eine Agentur gegründet. Die einzige ihrer Art in Deutschland.

Eine Sammlergeschichte.
Von Peter Beutgen
Steinfurt - Ja wenn Opa Ernst den Spleen des kleinen Peter nicht unterstützt hätte - wer weiß, dann wäre alles anders gekommen. Mit neun Jahren wird Peter Krevert aus dem ländlichen Kreis Borken nach Gelsenkirchen umgezogen. Sein Sportlehrer heißt Herbert Burdenski (Schalker Original und Nationalspieler), ein Mitschüler ist der Sohn des legendären Dribblers Stan Libuda und Schalkes damaliger Präsident Oscar Siebert verkauft gegenüber der Schule Kaugummis in seinem eigenen Mini-Supermarkt. Klar, die Jungenträume im grauen Pott leuchten hier in purem Königsblau. Alle sammeln, was sie kriegen können: Bildchen, Autogramme, Eintrittskarten. Hauptsache Schalke 04.
Der letzte Meistertitel war zu Peters Grundschulzeit in den 70ern schon anderthalb Jahrzehnte her. Doch sein Opa Ernst, der kennt sie alle. Er hatte das legendäre Team um Ernst Kuzorra und Fritz Szepan, das zwischen 1934 und 42 sechs Meistertitel holte, damals zu den Auswärtsspielen gefahren. Der rüstige Taxi- und Fuhrunternehmer aus Gelsenkirchen-Buer kutschiert nun 30 Jahre später seinen Enkel durchs Revier. Zu den Lottogeschäften, Büros, Schrebergärten und Kneipen wo die Stars der 30er, 40er und 50er Jahre nun ihren Tag verbringen. Und dem "Ernst sein Enkel" geben sie gern ein Bild mit Widmung, eine persönliche Postkarte, ein unterzeichnetes Erinnerungsstück.
So wächst der Grundstock einer einzigartigen Sammlung. "Ich habe nie aufgehört damit", erzählt Peter Krevert, Doktor der Politikwissenschaft, der im Hauptberuf Kommunen und öffentliche Einrichtungen berät. Er schätzt die Zahl seiner Objekte "auf rund 7000 Stück". Manche Rari-täten jagte er 30 Jahre lang: "Ein Autogramm von Otto Nerz, dem ersten Reichstrainer der Nationalmannschaft war super schwer zu bekommen", erinnert er sich. Aber er hat es natürlich. Schalker Teams und sämtliche wichtigen deutschen Nationalspieler hat er bis zur Gegenwart komplett. Und dazu - da gibt sich der eingefleischte Schalkefan tolerant - Hunderte Objekte von anderen Stars des Fußballwestens - sogar aus Dortmund.
Mit dem aufkommenden Internet bekam seine Sammelleidenschaft eine ganz neue Qualität. Bereits 2001 ging er mit einer persönlichen Seite ins Netz (www.peter-krevert.de). "Eigentlich wollte ich nur mit anderen Sammlern in Kontakt kommen", erinnert sich der Familienvater aus Steinfurt (Westfalen), der die Ruhe und Gelassenheit eines Briefmarkensammlers ausstrahlt, "aber irgendwie wurde es immer mehr." Im Zeitraffer nimmt sich dieses "mehr" genau so aus: Monatelange Ausstellungen im Schalke-Museum, bei Banken und in Behörden; Veröffentlichung des sehr erfolgreichen Titels "Das Schalker Autogrammbuch - Königsblaue Schriftstücke und Anekdoten", Ehrenbeirat des "Stan-Libuda-Fanclubs", Benefiz-Aktionen, Prominentenspiele und immer wieder Ausstellungsangebote.
Seine Aktivitäten brachten Krevert nicht nur das "Du" mit Rudi Assauer und vielen anderen großen Schalker Namen ein, sondern auch Nachfragen ohne Ende. Das Haus der Deutschen Geschichte hat auch schon Objekte geordert und bekommt sie. Da lag der nächste Schritt nahe: Vor kurzem Zeit gründete er unter seinem Namen eine "Austellungs-Consulting", die sich mit der Vermarktung seiner Sammlerschätze und der Vermittlung von Fußball-Prominenz für Talkshows und Autogrammstunden befasst.
"Die meisten Objekte passen in Rahmen und eignen sich für Arztpraxen und Büros, für Entres und Wartezonen", überlegt Peter Krevert nüchtern und betont einen weitere Grundsatz: "Besonders hochwertige Originale gibt es aber nur in gesicherten Vitrinen." Denn eins würde er niemals verschmerzen: Den Verlust eine geliebten Objekts. Schließlich hat schon Opa Ernst daran mitgearbeitet und der große Peter tut's noch heute.
Dieser Artikel erschien in diversen Varianten bisher u.a.:
im Münsterland-Wochenanzeiger vom 12.12.2007





